Der Kies im Gastgarten strahlt die Hitze des Tages zurück, der Nussbaum wirft zu wenig Schatten, und das Glas beschlägt in vierzig Sekunden. Es ist sieben am Abend und immer noch über dreißig Grad.
Und irgendjemand am Tisch bestellt jetzt einen schweren, holzausgebauten Chardonnay. Das ist ein Fehler.
Alkohol und Hitze vertragen sich schlecht
Ein Wein mit vierzehn Prozent wirkt bei fünfunddreißig Grad Außentemperatur völlig anders als im Winter. Der Körper verliert Flüssigkeit, das Getränk erwärmt sich im Glas rasend schnell, und was drinnen elegant wirkt, wird draußen schwer und breit.
Für den Hochsommer gilt daher die einfachste aller Regeln: leichter, kühler, weniger. Ein Wein mit elf oder zwölf Prozent ist im Juli kein Kompromiss, sondern die bessere Wahl.
Was funktioniert
- Der klassische Grüne Veltliner in der leichten Ausführung. Pfeffrig, zitrusartig, mit spürbarer Säure. Ein junger Steinfeder aus der Wachau hat unter elfeinhalb Prozent und ist praktisch für diesen Zweck gebaut.
- Welschriesling. Wird oft belächelt und ist im Sommer unschlagbar unkompliziert.
- Schilcher aus der Weststeiermark. Rosé, hohe Säure, kräftig in der Farbe. Nicht jedermanns Sache, sagen wir es so, aber gut gekühlt an einem heißen Abend eine Offenbarung.
- Zweigelt-Rosé, blass, trocken. Der beste Kompromiss, wenn am Tisch die eine Hälfte Weiß und die andere Rot will.
- Ein Uhudler aus dem Südburgenland, wenn Sie etwas Ungewöhnliches wollen. Erdbeerartig, eigenwillig, historisch umstritten.
Was hingegen nicht funktioniert: alles Fette, alles Holzige, alles Restsüße. Eine Beerenauslese im Gastgarten bei dreißig Grad ist verschwendet, weil sie warm wird, bevor man das zweite Glas hat.
Der Gespritzte, verteidigt
Es gibt Leute, die den Gespritzten für eine Beleidigung halten. Ich halte das für Angeberei.
Weißwein mit Soda, halb und halb, gut gekühlt: Das ist das vernünftigste Sommergetränk, das dieses Land hervorgebracht hat. Es hat weniger Alkohol, es löscht tatsächlich den Durst, und man kann drei davon trinken, ohne dass der Abend kippt.
Ein paar Feinheiten: Der Sommerspritzer hat mehr Soda als Wein, der Sommergespritzte in manchen Gegenden ebenso. Und ein Wein, der zu gut ist, um gespritzt zu werden, existiert selbstverständlich. Nehmen Sie den einfachen Literwein dafür, nicht die Riedenabfüllung um zweiundzwanzig Euro.
Die Temperaturfalle
Der häufigste Fehler ist nicht die Sortenwahl, sondern die Temperatur. Weißwein wird oft zu warm serviert, und dann steht die Flasche eine halbe Stunde in der Abendsonne und hat plötzlich achtzehn Grad.
Verlangen Sie einen Kühler, auch wenn keiner am Tisch steht. In den meisten Buschenschänken gibt es welche, man muss nur fragen. Und wenn Sie zu Hause im Garten sitzen: Ein Kübel mit Wasser und Eis kühlt eine Flasche deutlich schneller als das Gefrierfach, weil Wasser besser leitet als Luft.
Zwischen acht und zehn Grad für einfache Weißweine, etwas wärmer für die anspruchsvolleren, weil sonst der Duft zubleibt.
Was man dazu isst
Im Hochsommer will man nichts Schweres. Ein Brettljause mit viel Geselchtem liegt bei diesen Temperaturen wie ein Ziegel im Magen.
Besser: Erdäpfelsalat mit Kernöl, Paradeiser mit Zwiebel und Essig, ein Liptauer, Radieschen, junger Käse, dazu frisches Brot. In der Steiermark gibt es zum Wein oft Backhendlsalat, was in dieser Kombination erstaunlich gut funktioniert, weil der Salat die Sache leicht hält.
Trinken Sie Wasser
Das klingt wie ein Ratschlag aus einer Broschüre, ist aber der Unterschied zwischen einem schönen Abend und einem verlorenen Sonntagvormittag. Ein Glas Wasser zu jedem Achterl, konsequent.
In fast jedem österreichischen Lokal bekommen Sie Leitungswasser, oft gratis oder um einen kleinen Betrag. Fragen Sie einfach danach, es ist nicht unhöflich.
Der Rest der Flasche
Weißwein, der einen ganzen Nachmittag in der Sonne gestanden ist, wird nicht wieder gut, auch wenn man ihn danach kühlt. Die Aromen sind weg, es bleibt eine dumpfe Süße.
Bestellen Sie deshalb im Hochsommer lieber offen und glasweise als eine ganze Flasche, wenn Sie zu zweit sind. Es kostet minimal mehr und Sie trinken jedes Glas kalt.
Wer daheim im Garten sitzt, stellt die Flasche einfach zurück in den Kühlschrank, zwischen den Gläsern. Zwei Schritte, und der Wein hält den Abend durch.
Und wenn es dann kühler wird
Gegen zehn dreht der Wind, es kommt Luft vom Feld herüber, und die Hitze fällt in einer Viertelstunde um mehrere Grad. Das ist der Moment, in dem der Abend erst richtig beginnt und in dem plötzlich alle länger bleiben als geplant.
Jetzt können Sie auch den etwas kräftigeren Wein bestellen. Bis dahin: gespritzt, kalt, und ein Glas Wasser daneben.



