Im Juli hat man in Österreich das Gefühl, dass die halbe Kultur des Landes in ein paar Orte übersiedelt ist. Große Namen, ausverkaufte Häuser, Abendgarderobe im Dreißig-Grad-Wetter und Kartenpreise, bei denen man kurz Luft holen muss.
Dabei ist das nur die oberste Schicht. Darunter liegt eine ganze Menge, die kaum jemand ausnützt.
Die Nebenschienen sind der eigentliche Schatz
Fast jedes größere Festival hat ein Programm neben dem Hauptprogramm. Konzerte junger Künstlerinnen, Lesungen, Nachwuchsformate, Werkstattkonzerte, Kirchenmusik im Rahmenprogramm.
Diese Veranstaltungen kosten oft zwischen zehn und dreißig Euro, sind selten ausverkauft und werden von denselben Häusern verantwortet wie die großen Produktionen. Die Qualität ist entsprechend, das Publikum ist entspannter, und man muss sich nicht sechs Monate im Voraus anmelden.
Generalproben und öffentliche Proben
Bei vielen Festivals gibt es Karten für Haupt- oder Generalproben, teilweise über Fördervereine, teilweise für Jugendliche und Studierende, teilweise über Kontingente, die kurzfristig freigegeben werden.
Sie sehen dann nicht immer die perfekte Vorstellung. Es kann sein, dass abgebrochen wird, dass eine Sängerin markiert statt voll singt, dass mitten in einer Szene der Dirigent stoppt.
Und genau das ist interessant. Man sieht, wie das gemacht wird. Ich hab bei einer Probe mehr über Musiktheater gelernt als in fünf regulären Vorstellungen.
Restkarten und Warteschlangen
- Die offiziellen Rückgabestellen der Festivals. Wer krank wird oder nicht anreisen kann, gibt Karten zurück, und die kommen wieder in den Verkauf, oft erst am Tag der Vorstellung.
- Stehplätze. Nicht überall vorhanden, aber wo es sie gibt, sind sie lächerlich billig im Vergleich zum Sitzplatz nebenan.
- Die Leute vor dem Eingang, die eine Karte übrig haben. Das ist der klassische Weg, funktioniert nach wie vor, und ist bei ausverkauften Vorstellungen manchmal die einzige Chance. Vorsicht bei Weiterverkaufsplattformen mit Fantasiepreisen: Manche Veranstalter sperren personalisierte Tickets, und dann stehen Sie mit einem teuren Ausdruck draußen.
Die Kleiderfrage, wieder einmal
Bei den großen Abendvorstellungen der prominenten Festivals ist Abendgarderobe üblich, und es macht keinen Spaß, als Einzige im Sommerkleid zwischen langen Roben zu sitzen. Bei Matineen, Kammerkonzerten und Nebenveranstaltungen ist es völlig entspannt.
Was aber niemand sagt: Diese Häuser sind im Juli heiß. Ein Frack bei einunddreißig Grad in einem vollen Saal ist eine Zumutung, und ich hab schon Herren gesehen, die in der Pause weiß im Gesicht waren. Nehmen Sie Wasser mit, wenn es erlaubt ist, und einen Fächer, auch wenn Sie sich dabei komisch vorkommen.
Der Ort drumherum
Ein unterschätzter Teil des Festspielsommers ist, dass diese Orte selbst schön sind und im Juli voll. Wer eine Vorstellung um acht hat und um sechs anreist, hetzt.
Fahren Sie am Vormittag hin. Essen Sie irgendwo mittags, wo keine Speisekarte in vier Sprachen aushängt, gehen Sie schwimmen, wenn ein See in der Nähe ist, und lassen Sie sich Zeit. Der Abend wird dadurch ein anderer.
Und suchen Sie das Quartier nicht im Zentrum. Zwanzig Minuten außerhalb kostet die Übernachtung oft die Hälfte, und mit dem Bus oder Regionalzug ist man schnell drin.
Was, wenn es Ihnen zu viel ist?
Es gibt eine Sorte Festspielpublikum, das mehr mit dem Gesehenwerden beschäftigt ist als mit der Bühne. Diese Leute existieren, sie sind laut in der Pause, und sie können einem den Abend verleiden, wenn man sich davon anstecken lässt.
Mein Gegenmittel ist banal: Ich schau sie mir an wie ein zweites Stück. Die Frau mit dem Hut, der Herr, der drei Mal erzählt, dass er das schon 1998 gesehen hat, die Familie, die offensichtlich zum ersten Mal da ist und alles fotografiert.
Das Foyer eines Festspielhauses ist Volkstheater im besten Sinn, und der Eintritt ist im Ticket enthalten.
Die Matinee ist unterschätzt
Vormittagsveranstaltungen um elf sind billiger, kürzer und deutlich weniger repräsentativ besetzt. Man geht in normaler Kleidung hin, hört ein Kammerkonzert oder eine Lesung, und hat danach noch den ganzen Tag.
Für alle, die mit dem großen Abendbetrieb nichts anfangen können, ist das der beste Einstieg. Und danach setzt man sich in einen Gastgarten und redet über das, was man gehört hat, was am Abend um halb zwölf ohnehin niemand mehr schafft.
Ein Sommerabend, der bleibt
Später, wenn Sie hinausgehen und es draußen endlich abgekühlt hat, stehen die Leute in Gruppen herum und wollen nicht heim. Irgendwo spielt jemand noch, ein Lokal hat offen, es ist halb zwölf und immer noch warm.
Das ist der Grund, warum es diese Festivals gibt. Nicht die Preise, nicht die Roben, nicht die Prominenz.



