Im Februar sitzt man drinnen. Der Weingarten schaut aus wie ein Feld mit Stecken, die Buschenschänken sind großteils zu, und der nächste laue Abend ist Wochen entfernt.
Genau darum ist das der Monat, in dem man den österreichischen Rotwein ernst nehmen kann. Ohne Gastgarten, ohne Musik, ohne Ablenkung.
Zimmertemperatur ist ein Missverständnis
Die alte Regel, Rotwein trinkt man bei Zimmertemperatur, stammt aus Häusern mit ungeheizten Speisezimmern und meinte etwa sechzehn bis achtzehn Grad. Unser Wohnzimmer im Februar hat zweiundzwanzig, manchmal vierundzwanzig.
Bei zweiundzwanzig Grad wirkt ein Blaufränkisch breit, der Alkohol drängt sich vor, die Frucht wird marmeladig. Bei sechzehn Grad ist derselbe Wein plötzlich straff und würzig.
Der einfachste Trick der Welt: Stellen Sie die Flasche zwanzig Minuten vor dem Trinken in den Kühlschrank. Nicht länger. Der Unterschied ist so deutlich, dass die meisten Leute beim ersten Versuch überrascht sind, und er kostet nichts.
Die drei Sorten, die man kennen sollte
Österreich ist ein Weißweinland, aber die roten Sorten haben in den letzten dreißig Jahren enorm aufgeholt.
- Zweigelt. Die meistgepflanzte rote Sorte, saftig, kirschig, unkompliziert. Ein junger Zweigelt um sieben bis zehn Euro ist der verlässlichste Alltagswein des Landes.
- Blaufränkisch. Mein persönlicher Favorit, vor allem aus dem Mittelburgenland und vom Leithaberg. Dunkle Beeren, deutliche Säure, oft eine mineralische Kante, die man erst beim zweiten Schluck bemerkt. Der Wein hat Charakter und ist deswegen nicht für jeden.
- St. Laurent, samtiger, seltener, oft unterschätzt.
Dazu kommen die internationalen Sorten und die Cuvées, die viele Betriebe machen. Manche davon sind großartig, viele schmecken austauschbar, und ich sage das mit voller Absicht.
Wie eine Verkostung zu Hause tatsächlich funktioniert
Sie brauchen keine Ausrüstung. Drei Flaschen, ausreichend Gläser, Wasser, Brot.
Nehmen Sie einen Vergleich, der etwas zeigt. Zum Beispiel drei Blaufränkisch aus drei Regionen, oder derselbe Winzer in drei Jahrgängen, oder eine Sorte in drei Preisklassen: acht Euro, fünfzehn Euro, dreißig Euro. Die dritte Variante ist die lehrreichste, weil sie die unangenehme Frage beantwortet, ob man den Unterschied überhaupt schmeckt.
Spoiler: zwischen acht und fünfzehn fast immer. Zwischen fünfzehn und dreißig deutlich seltener, als der Preis vermuten lässt.
Aufschreiben, auch wenn es blöd wirkt
Ein Blatt Papier, pro Wein drei Zeilen. Was riechen Sie, was schmecken Sie, würden Sie ihn nachkaufen. Mehr nicht.
Der Punkt ist nicht, Fachvokabular zu lernen. Der Punkt ist, dass Sie beim zweiten oder dritten Mal merken, dass Sie ein Muster haben. Bei mir zum Beispiel: Alles, was stark nach Vanille und Holz schmeckt, mag ich nach dem zweiten Glas nicht mehr. Das hab ich erst gewusst, als es aufgeschrieben dastand.
Was dazu essen
Im Februar bietet sich an, was ohnehin am Herd steht. Ein Gulasch, Schweinsbraten, ein Erdäpfelgratin, harter Bergkäse. Blaufränkisch mit Speck und Kren ist eine Kombination, die auf dem Papier grob wirkt und im Mund funktioniert, weil die Säure durch das Fett schneidet.
Was nicht geht: scharfes Essen. Chili verstärkt die Alkoholschärfe, und ein tanninreicher Roter wird dann bitter und hart.
Direkt beim Winzer kaufen
Viele Betriebe machen im Winter Ab-Hof-Verkauf, oft nach telefonischer Anmeldung, und manche laden im Februar zu Verkostungstagen. Man fährt eine Stunde hin, steht in einem kalten Keller, bekommt sechs Weine ins Glas und redet mit dem Menschen, der sie gemacht hat.
Preislich sparen Sie dabei nicht immer viel, das muss man ehrlich sagen. Was Sie bekommen, ist etwas anderes: Sie wissen ab dann, warum die Flasche schmeckt, wie sie schmeckt. Und Sie stellen fest, dass die meisten Winzerinnen und Winzer keine Weinsprache reden, sondern über Regen im August und über den Traktor.
Wie lange eine offene Flasche hält
Eine angebrochene Rotweinflasche ist am zweiten Tag oft besser als am ersten, weil sich die Aromen öffnen. Ab dem dritten Tag kippt es, langsam, aber deutlich: Der Wein wird flach und bekommt eine essigartige Note.
Verkorken Sie sie und stellen Sie sie in den Kühlschrank, auch den Roten. Kälte verlangsamt die Oxidation, und vor dem Trinken holen Sie sie eine halbe Stunde vorher heraus.
Alles, was nach vier Tagen noch da ist, kommt bei mir ins Gulasch. Das ist keine Schande, das ist Verwertung.
Bis der Garten wieder aufsperrt
Im April stehen die Tische wieder draußen und dann trinkt man ohnehin wieder Grünen Veltliner in großen Schlucken, weil es warm ist und der Abend lang.
Bis dahin: sechzehn Grad, ein ordentliches Glas, kein Fernseher im Hintergrund. Der Februar ist zu nichts anderem gut.



