Anfang September kommen sie an. Dicke Programmhefte mit Hochglanzfotos, in denen Dirigenten in Schwarzweiß nachdenklich zur Seite blicken, und irgendwo hinten die Abo-Tabelle mit Preiskategorien von A bis F.
Und dann sitzt man am Küchentisch, rechnet, und weiß nicht recht.
1. Wie oft gehe ich wirklich?
Das ist die einzige Frage, die zählt, und die meisten beantworten sie zu optimistisch. Schauen Sie im Kalender des vergangenen Jahres nach, nicht in Ihrer Selbsteinschätzung.
Wer zweimal im Jahr in ein Konzert geht, braucht kein Abo mit sechs Terminen. Wer achtmal geht, spart mit einem Abo real Geld, oft zwanzig bis dreißig Prozent gegenüber Einzelkarten.
2. Kann ich Termine tauschen?
Das ist der Punkt, an dem viele Abos scheitern. Ein fixer Termin am zweiten Dienstag im Monat klingt beim Kauf machbar und ist im Februar, wenn das Kind krank ist und der Chef eine Besprechung ansetzt, ein Problem.
Fragen Sie explizit nach: Gibt es Tauschmöglichkeiten, kostet der Tausch etwas, bis wann muss er gemeldet werden? Manche Häuser sind da sehr kulant, andere gar nicht.
3. Wahlabo oder Fixabo?
Ein Wahlabo lässt Sie eine Anzahl an Vorstellungen selbst aussuchen, meist mit kleinerem Rabatt, dafür mit voller Freiheit. Ein Fixabo hat feste Termine und feste Plätze, dafür den besseren Preis und die besseren Plätze.
Meine Einschätzung nach mehreren Jahren mit beiden Varianten: Wenn Sie zum ersten Mal ein Abo nehmen, nehmen Sie ein Wahlabo. Der Fixplatz ist etwas für Leute, die schon wissen, dass sie hingehen.
4. Sitze ich dort, wo ich sitzen will?
Bei Fixabos bekommen Neueinsteigerinnen selten die besten Plätze, weil die seit Jahren vergeben sind. Fragen Sie an der Kassa konkret, welche Reihe Sie bekommen, und schauen Sie sich den Saalplan an.
Und noch etwas: Ein Platz an der Seite kann optisch schlecht und akustisch hervorragend sein. Lassen Sie sich beraten, die Leute an der Kassa kennen ihren Saal.
5. Kenne ich das Programm?
Ein Abo mit sechs Terminen enthält meistens zwei Sachen, die Sie kennen, drei, von denen Sie gehört haben, und eine, die Ihnen völlig fremd ist.
Genau diese letzte ist der eigentliche Wert. Ohne Abo hätten Sie sich für ein zeitgenössisches Werk nie eine Karte gekauft, und in vier von zehn Fällen ist es dann der Abend, über den Sie danach am längsten reden.
6. Was passiert, wenn ich nicht kann?
- Weitergeben an Freunde funktioniert bei den meisten Abos problemlos, solange die Karte nicht personalisiert ist.
- Rückgabe gegen Gutschrift bieten manche Häuser an, meist bis zu einer bestimmten Frist.
- Und wenn gar nichts geht: Eine ungenutzte Abokarte kostet Sie im Schnitt zwischen zwanzig und vierzig Euro. Wenn Sie damit rechnen, dass Ihnen zwei von acht Terminen platzen, kalkulieren Sie das ein, dann ärgert es Sie nicht.
7. Gibt es günstigere Wege?
Ja, mehrere, und sie werden zu wenig genutzt. Jugendabos und Ermäßigungen für unter 27-Jährige sind in vielen Häusern drastisch reduziert. Für Menschen mit geringem Einkommen gibt es den Kulturpass. Studierende bekommen an der Abendkassa oft Restkarten für zehn Euro.
Und die simpelste Variante: Newsletter der Häuser abonnieren und bei Aktionen zuschlagen. Damit fährt man ohne jede Bindung oft nicht viel teurer als mit einem Abo.
8. Will ich mich binden?
Das ist die ehrlichste Frage, und sie hat mit Geld nichts zu tun.
Ein Abo ist eine Verabredung mit sich selbst. Man legt sich acht Abende im Jahr fest, an denen man das Handy weglegt und zwei Stunden lang nichts anderes macht. Für viele Leute ist das der einzige Grund, überhaupt hinzugehen, weil sonst immer etwas dazwischenkommt.
Für andere ist es eine Pflicht, die im Kalender steht wie ein Zahnarzttermin, und die Freude ist weg, sobald es müssen heißt.
Ein Wort zum Programmheft selbst
Diese Hefte kosten die Häuser viel Geld, und sie sind schön gemacht. Trotzdem landen sie bei den meisten Leuten ungelesen auf dem Stapel neben dem Telefon.
Schneiden Sie stattdessen die Termine heraus, die Sie interessieren, und hängen Sie den Zettel an den Kühlschrank. Klingt altmodisch. Funktioniert besser als jede Erinnerung im Handy, weil Sie zehnmal am Tag daran vorbeigehen.
Was ich machen würde
Nehmen Sie in der ersten Saison ein kleines Wahlabo mit vier Terminen. Schauen Sie, ob Sie tatsächlich hingehen. Wenn ja, steigen Sie im nächsten Jahr auf, wenn nein, haben Sie wenig verloren.
Und legen Sie das Programmheft nicht sofort weg. Blättern Sie an einem Abend im September in Ruhe durch, mit einem Glas Wein, und markieren Sie, was Sie neugierig macht.
Das ist übrigens der schönste Moment der ganzen Saison. Alles ist noch möglich, nichts ist enttäuschend gewesen, und der Winter, der da vor einem liegt, schaut auf einmal ziemlich gut aus.



