Es ist der erste Abend im Jahr, an dem man um halb acht noch ohne Jacke draußen sitzen kann. Der Kies knirscht, die Bank ist noch kalt vom Winter, und über dem Tor hängt ein Föhrenbuschen, der sagt: ausg'steckt is.
Und dann kommt die Frage, die über den ganzen Abend entscheidet. Ist das hier ein Heuriger oder ein Restaurant, das so tut?
1. Der Wein kommt vom eigenen Weingarten
Das ist der Kern der Sache und rechtlich geregelt: Ein Buschenschank darf im Wesentlichen nur ausschenken, was der Betrieb selbst erzeugt hat. Keine fremden Weine, kein Bier vom Fass, kein Cocktail.
Wenn auf der Getränkekarte fünf Biersorten und ein Aperol stehen, sitzen Sie in einem Heurigenlokal. Das kann trotzdem nett sein, ist aber etwas anderes, und Sie sollten wissen, wofür Sie zahlen.
2. Das Essen kommt vom Pult, nicht vom Kellner
Beim klassischen Buschenschank geht man selbst zur Budel, schaut in die Vitrine und deutet auf das, was man will. Verhackert, Aufstriche, Geselchtes, Blutwurst, Grammelschmalz, Bauernkäse, eingelegte Gurkerl, Erdäpfelsalat, Brot.
Das hat einen Vorteil, den ich sehr schätze: Man sieht, was man bekommt, und muss nicht raten, was sich hinter einer Bezeichnung versteckt. Nachteil: Man nimmt jedes Mal zu viel.
3. Die Karte ist kurz
Warme Küche ist bei einem echten Buschenschank eingeschränkt oder gar nicht vorgesehen. Wenn Sie eine Speisekarte mit dreißig Positionen inklusive Wiener Schnitzel und Backhendl bekommen, ist das ein Gasthaus.
Ehrlich gesagt: Manchmal will man genau das. Aber der Reiz des Heurigen liegt in der Beschränkung. Sechs kalte Sachen, ein Brot, zwei Weine, fertig.
4. Die Öffnungszeiten sind unpraktisch
Ein Buschenschank darf nur eine begrenzte Zahl an Tagen im Jahr offen haben, und die Betriebe teilen sich das im Ort untereinander auf. Deswegen ist der eine im April aus und der andere im Juni.
Das heißt für Sie: vorher nachschauen. Die Gemeinden veröffentlichen Ausstecklisten, oft auf der Website oder im Amtsblatt, in manchen Weinorten hängt ein Kalender im Schaufenster der Trafik. Ein Heuriger, der das ganze Jahr durchgehend offen hat, ist per Definition keiner.
5. Der Wein wird im Viertel oder im Achtel ausgeschenkt
Das Viertel ist die klassische Menge, das Achtel für alle, die noch fahren müssen oder noch etwas vorhaben. Ein Achtel Grüner Veltliner kostet je nach Region zwischen zwei und vier Euro, ein Viertel entsprechend mehr.
Und dann gibt es den Gespritzten. Weißwein mit Soda, sommers das meistbestellte Getränk in österreichischen Gastgärten, und wer daran etwas Barbarisches findet, hat noch nie im Juli zwei Stunden in der Sonne gesessen.
6. Es sind Einheimische da
Das ist der zuverlässigste Indikator überhaupt. Wenn an drei Tischen Leute sitzen, die den Wirt beim Vornamen kennen und über den Nachbarn reden, sind Sie richtig.
Wenn ausschließlich Reisegruppen dasitzen und im Hintergrund Schrammelmusik aus einem Lautsprecher kommt, dann haben Sie das gefunden, was in Prospekten als Wiener Gemütlichkeit steht.
Wohin man fährt
Rund um Wien sind Grinzing, Neustift und Stammersdorf die bekannten Adressen, wobei Stammersdorf und Strebersdorf deutlich weniger touristisch sind. Im Weinviertel, in der Thermenregion, im Kamptal und in der Wachau gibt es hunderte Betriebe, und im Burgenland und in der Südsteiermark heißt es Buschenschank oder einfach Weinstube.
Fahren Sie mit den Öffis. Die Weinorte am Stadtrand sind mit Bim und Bus erreichbar, in Niederösterreich fährt der Zug bis in die Weinorte, und mit dem Klimaticket zahlen Sie ohnehin nichts extra. Der Rückweg im Dunkeln, ein bisschen beschwipst, mit dem Geruch von Kren an den Fingern, gehört zum Abend dazu.
Wie viel man einplanen sollte
Ein Abend zu zweit beim Buschenschank mit ordentlicher Jause, drei Vierteln Wein und einem Wasser landet je nach Region ungefähr bei fünfundzwanzig bis vierzig Euro. In den touristischen Orten rund um Wien liegt es höher, im Weinviertel und im Burgenland deutlich darunter.
Bargeld mitnehmen. Viele kleinere Betriebe haben nach wie vor keine Kartenzahlung, und der nächste Bankomat ist im Weinort selten ums Eck.
Was der April besonders macht
Im Hochsommer sind die Gastgärten voll und man muss um sechs da sein, wenn man einen Tisch will. Im April sitzt man oft in einem halbleeren Garten, es ist frisch, die Bäume haben erst kleine Blätter, und um neun wird es dann doch zu kalt.
Genau darum trinkt man das letzte Achtel schneller als geplant. Und geht mit dem Gefühl heim, dass es jetzt losgeht.



