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Brauchtum

Sonnwendfeuer, Kräuter und die kürzeste Nacht: Was am Johannitag wirklich gefeiert wird

26. Juni 2026

Wenn Sie Ende Juni abends auf einer Landstraße unterwegs sind und plötzlich am Hang gegenüber ein Feuer sehen, und dann noch eines weiter hinten, und noch eines, dann ist das kein Zufall.

Die Sonnwendfeuer sind einer der wenigen Bräuche, die man von weitem sieht.

Zwei Termine, ein Feuer

Astronomisch fällt die Sommersonnenwende auf den 20. oder 21. Juni. Gefeiert wird aber oft am Wochenende danach oder rund um den 24. Juni, den Johannitag, weshalb man je nach Gegend von Sonnwendfeuer oder von Johannisfeuer spricht.

Die Verbindung ist typisch für unsere Bräuche: ein vorchristliches Datum, ein christlicher Namenspatron, und niemand hat das jemals sauber getrennt. Der heilige Johannes der Täufer wurde genau in die Zeit der Sonnenwende gelegt, sein Gegenstück Weihnachten liegt an der Wintersonnenwende. Das ist kein Zufall, sondern Systematik.

Wo es besonders eindrucksvoll ist

In Tirol haben die Bergfeuer eine eigene Dimension. Ganze Vereine steigen tagsüber auf die Grate, tragen Holz hinauf und legen Feuer in Formen: Herzen, Kreuze, Muster, die man von unten kilometerweit sieht. Die Herz-Jesu-Feuer im Juni sind zudem eng mit der Tiroler Geschichte verbunden und tragen eine eigene Bedeutung.

In anderen Bundesländern ist es bodenständiger. Ein Feuer auf einer Wiese am Ortsrand, organisiert von der Feuerwehr oder der Landjugend, mit Getränkestand, Musik aus einer Anlage und Kindern, die viel zu nah stehen.

Was rund ums Feuer gemacht wird

Über die Glut springen ist der bekannteste Teil. Der Sprung sollte Glück bringen, Krankheit fernhalten, in manchen Gegenden bringt ein gemeinsamer Sprung eines Paares angeblich eine Hochzeit.

Man muss dazu sagen: Das gehört in die Zeit, wenn das Feuer heruntergebrannt ist, und es gehört nicht in die Hände von Kindern ohne Aufsicht. Jedes Jahr passieren Unfälle, und Brandverletzungen an den Beinen sind eine üble Sache.

Weitere Bräuche, die regional vorkommen:

  • Johanniskräuter sammeln. Am Johannitag geerntete Kräuter sollen besonders wirksam sein, allen voran das Johanniskraut selbst, dessen Blüten beim Zerreiben rot färben. Daraus wird das Johannisöl angesetzt, das man vier bis sechs Wochen in die Sonne stellt.
  • Kränze binden und übers Feuer werfen.
  • Fackelzüge und Feuerräder, die man den Hang hinunterrollen lässt, was heute aus naheliegenden Gründen selten geworden ist.

Die praktische Seite

Sonnwendfeuer unterliegen Vorschriften, und die sind je nach Bundesland und Gemeinde unterschiedlich. In vielen Gemeinden ist eine Anmeldung nötig, es gelten Abstände zu Wald und Gebäuden, und bei Trockenheit werden Feuer kurzfristig untersagt.

Was auf keinen Fall ins Feuer gehört: behandeltes Holz, Paletten mit Nägeln, Kunststoff, alte Möbel. Das passiert immer noch, es stinkt, und es ist verboten.

Und wenn Sie mit kleinen Kindern hingehen: Der Wind dreht. Sitzen Sie so, dass Sie schnell aufstehen können, und rechnen Sie damit, dass Funkenflug bis erstaunlich weit reicht. Gewand, das Sie mögen, lassen Sie zu Hause.

Warum es einen trotzdem erwischt

Ich bin skeptisch gegenüber Brauchtumsromantik. Vieles, was heute als uralt verkauft wird, ist hundert Jahre alt und wurde von Vereinen erfunden.

Und dann steht man doch da, um halb elf, es ist noch nicht ganz finster, weil die Nacht die kürzeste des Jahres ist, das Holz kracht, und die Hitze auf dem Gesicht ist so stark, dass man einen Schritt zurückgehen muss, während der Rücken kalt bleibt.

In diesem Moment ist es völlig egal, wie alt der Brauch ist. Menschen sitzen um ein Feuer und schauen hinein. Das ist ungefähr das Älteste, was wir gemeinsam tun.

Was am nächsten Tag übrig bleibt

Am Morgen danach riecht die Jacke nach Rauch, und zwar so intensiv, dass man sie zum Lüften auf den Balkon hängt. Das Gras rund um die Feuerstelle ist verbrannt, es liegen Becher herum, und meistens ist um acht in der Früh schon jemand vom Verein da und räumt auf.

Diese Leute sieht selten jemand. Ohne sie gäbe es das Feuer im nächsten Jahr nicht.

Und danach

Ab jetzt werden die Tage wieder kürzer. Das sagt an so einem Abend natürlich immer jemand, meist der, der schon drei Bier intus hat, und alle stöhnen.

Aber es stimmt ja. Der Hochsommer liegt noch vor uns, mit Hitze, Gewittern und langen Abenden im Gastgarten. Und trotzdem hat der Juni schon diesen leisen Beigeschmack von etwas, das seinen Höhepunkt gerade überschritten hat.

Vielleicht macht man deshalb ein Feuer. Damit man nicht zu früh daran denkt.

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