Es gibt in Österreich zwischen Jänner und Faschingdienstag mehrere hundert Bälle, und die meisten davon sind keine Glamourveranstaltungen, sondern Vereinsfeste mit Musik und Tombola. Trotzdem denken die meisten beim Wort Ball zuerst an rote Teppiche, Fernsehkameras und eine Rechnung, die man drei Monate spürt.
Das ist schade, weil dadurch viele Leute nie hingehen.
Der große Unterschied zwischen den Ballklassen
Ganz oben stehen die repräsentativen Bälle in den großen Häusern, mit strenger Kleiderordnung, Debütantenkomitee und Karten im dreistelligen Bereich. Da kommt zum Ticket noch das Gewand, der Tisch, der Sekt, und man landet zu zweit schnell bei mehreren hundert Euro.
Darunter liegt eine breite Mittelschicht: Berufsgruppenbälle, Ärzteball, Juristenball, Kaffeesiederball, Bälle der Landsmannschaften. Dann die Maturabälle, bei denen die Schulgemeinschaft selbst organisiert. Und ganz unten, im besten Sinn, der Feuerwehrball, der Musikvereinsball, der Ball der Landjugend.
Beim letzten Typ kostet der Eintritt oft zwölf bis zwanzig Euro, das Bier drei, und getanzt wird bis fünf in der Früh. Ehrlich gesagt hab ich dort mehr gelacht als bei allem, was mit Debütantinnen zu tun hat.
Die Kleiderfrage, entdramatisiert
Auf der Karte steht meistens etwas. Halten Sie sich daran, dann kann nichts passieren.
- Große Robe oder Abendkleid lang: Bodenlanges Kleid, beim Herrn Frack oder zumindest dunkler Anzug mit Fliege. Nur bei den ganz großen Bällen wirklich verlangt.
- Abendkleidung: Cocktailkleid, langes Kleid, dunkler Anzug. Das ist der Normalfall.
- Tracht: Dirndl und Lederhose sind auf fast jedem österreichischen Ball erlaubt und auf vielen die Mehrheit. Ein gutes Dirndl ist zudem die einzige Ballgarderobe, die Sie auch sonst wieder anziehen.
Ein Kleid zu kaufen, das man einmal trägt, ist ökonomischer Unfug. Es gibt in allen größeren Städten Verleihe, ab etwa fünfzig bis achtzig Euro für den Abend inklusive Reinigung, und die Auswahl ist besser als das, was man sich selbst leisten würde. Second Hand funktioniert genauso, gerade bei Abendmode, weil die Stücke kaum getragen sind.
Was mit den Schuhen passiert
Das ist der Punkt, an dem jedes Jahr die meisten Abende scheitern. Neue Schuhe auf einem Parkettboden, sechs Stunden lang, und um halb eins sitzt eine Frau am Rand der Tanzfläche und schaut auf ihre Fersen.
Tragen Sie die Schuhe vorher zu Hause ein. Nehmen Sie Pflaster mit, und zwar mehr als eines. Und ein flaches Paar in der Tasche ist keine Kapitulation, sondern der Grund, warum Sie um drei noch tanzen.
Die Eröffnung, das Komitee und die Mitternachtseinlage
Der Ablauf ist fast überall gleich. Einzug des Komitees, meist zu einer Polonaise, dann der Walzer, dann die Aufforderung „Alles Walzer", und danach gehört die Tanzfläche allen.
Um Mitternacht kommt die Einlage: eine Quadrille, eine Showtanzgruppe, ein Chor, gelegentlich etwas so Absurdes, dass man es noch Jahre später erzählt. Die Quadrille ist der Moment, den man mitmachen sollte, auch wenn man sie nicht kann. Es kann sie nämlich fast niemand, und genau das ist der Spaß daran.
Muss man Walzer können?
Nein. Aber es macht mehr Freude, wenn man es halbwegs kann, und Linkswalzer braucht kein Mensch. Ein Wochenendkurs in einer Tanzschule kostet je nach Anbieter etwa sechzig bis hundert Euro pro Person, und drei Stunden Grundlagen reichen völlig, um sich nicht zu blamieren.
Der wichtigste Trick ist ohnehin nicht technisch. Schauen Sie nicht auf die Füße. Sobald man hinunterschaut, wird man langsam und stolpert.
Die Rechnung am Ende des Abends
Kalkulieren Sie vorher, was der Abend kosten darf, und sagen Sie es einander. Karte, Garderobe, Tisch, Getränke, Taxi. Bei den größeren Bällen kommt schnell mehr zusammen, als man geplant hat, weil eine Flasche Sekt am Tisch das Doppelte des Ladenpreises kostet.
Beim Feuerwehrball ist das kein Thema. Da zahlt man beim Hineingehen zwanzig Euro und ist am Ende bei fünfzig, inklusive Tombola und zwei Runden für den Tisch.
Und dann der Heimweg
Um halb vier ist der Saal halbleer, die Kapelle spielt langsamere Sachen, die Schuhe stehen unter dem Tisch. Draußen ist es kalt, das Gesicht glüht, und in der Nachtbim sitzen lauter Leute mit zerdrücktem Gewand, die alle ein bisschen zu laut reden.
Das ist der Teil, den keine Ballreportage zeigt und an den ich mich am liebsten erinnere. Am nächsten Tag tut alles weh und man ist zu nichts zu gebrauchen.
Wenn Sie heuer noch keine Karte haben: Schauen Sie, wann die Feuerwehr in Ihrer Umgebung ihren Ball macht. Zwanzig Euro, ein Sackerl Tombolalose, und Sie erleben mehr Österreich als in jeder Fernsehübertragung.



