Es gibt zwei Sorten von Menschen bei Open-Air-Konzerten. Die einen stehen um vier Uhr nachmittags in der Sonne an der Absperrung, damit sie beim Auftritt um halb zehn in der ersten Reihe sind. Die anderen kommen um neun, holen sich ein Getränk und stellen sich in die Mitte.
Die zweiten hören mehr.
Warum vorne der Klang schlechter ist
Das ist keine Meinung, sondern Physik. Die Hauptbeschallung ist so ausgerichtet, dass sie die Fläche gleichmäßig erreicht, und die optimale Zone liegt typischerweise im mittleren Drittel, auf Höhe des Mischpults. Dort steht nämlich die Person, die den Sound einstellt, und die stellt ihn selbstverständlich für ihre eigene Position ein.
Ganz vorne bekommen Sie viel Bühnenlautstärke, wenig Mischung und die volle Ladung Bass. Bei einer Rockband ist das ein Erlebnis, bei allem, wo Text wichtig ist, ein Verlust.
Mein Rat, seit Jahren unverändert: Suchen Sie das Mischpult und stellen Sie sich fünfzehn Meter davor. Sie werden überrascht sein.
Die Sonne ist der wahre Gegner
Ein Open Air beginnt oft am späten Nachmittag, und dann steht man vier Stunden auf einer Wiese ohne Schatten. Sonnenbrand am Nacken, dehydriert, und wenn der Hauptact kommt, ist die Energie weg.
- Trinken Sie vorher. Auf dem Gelände kostet ein halber Liter Wasser regelmäßig drei bis vier Euro, und die Schlangen sind lang.
- Kopfbedeckung. Sieht albern aus, verhindert einen ruinierten Abend.
- Ohrstöpsel. Ernsthaft. Es gibt Filterstöpsel um zwanzig Euro, die die Lautstärke senken, ohne den Klang zu verfälschen. Ein Konzert liegt oft bei über hundert Dezibel, und Tinnitus geht nicht mehr weg.
Der Boden entscheidet über den Abend
Wer schon einmal bei einem mehrtägigen Festival im Regen war, weiß, dass Wiese in Schlamm übergeht und Schlamm in Verzweiflung. Feste Schuhe sind bei jeder Wetterlage die bessere Entscheidung, weil auf einem vollen Platz ohnehin ständig jemand auf Ihre Zehen steigt.
Sandalen bei Open Airs sind eine Idee, die man genau einmal hat.
Die kleinen Formate sind angenehmer
Nicht jedes Freiluftkonzert ist ein Großereignis mit zwanzigtausend Leuten. In Österreich gibt es im Sommer eine dichte Landschaft an kleineren Sachen: Konzerte im Schlosspark, Jazz im Innenhof, Blasmusik am Hauptplatz, Kirchturmbläser, Musik am Berg.
Das Filmfestival am Wiener Rathausplatz läuft den ganzen Sommer und kostet keinen Eintritt, dasselbe Prinzip gibt es in vielen Städten. Man sitzt auf einem Sessel, holt sich etwas von einem Stand, und es kommt niemand, der Ihnen ein Bändchen ums Handgelenk macht.
Ehrlich gesagt gehe ich mit zunehmendem Alter lieber dorthin. Ein Konzert für dreihundert Leute in einem Innenhof, wo man um elf noch mit dem Bassisten am selben Tisch sitzt, schlägt für mich fast jede Großveranstaltung.
Was mit dem Handy passiert
Sie kennen das Bild: Der Hauptact spielt das bekannteste Stück, und vor Ihnen gehen zweihundert Displays hoch.
Ich bin nicht dagegen, ein Video zu machen, ich mach das selber. Aber ich hab mir eine Regel gegeben, seit ich einmal ein ganzes Konzert durch einen Bildschirm gesehen habe: Ein Lied filmen, den Rest nicht. Das Video schaut man ohnehin nie wieder an, weil der Ton übersteuert ist und alles wackelt.
Der Heimweg gehört eingeplant
Der unterschätzteste Teil. Wenn dreißigtausend Leute gleichzeitig zum Bahnhof gehen, dauert das eine Stunde, und wer nicht vorbereitet ist, steht um halb zwei in der Früh ohne Verbindung da.
Schauen Sie vorher, ob es Sonderzüge gibt. Bei größeren Veranstaltungen führen die ÖBB und die regionalen Verkehrsverbünde zusätzliche Nachtverbindungen, und bei manchen Festivals ist die Anreise im Ticket enthalten.
Die Rechnung mit den Getränken
Auf großen Geländen gibt es meistens ein eigenes Bezahlsystem mit Chipkarte oder Bändchen, das man vorher auflädt. Der Rest, der am Ende drauf ist, verfällt bei manchen Veranstaltern oder wird nur gegen Gebühr rückerstattet.
Laden Sie also nicht auf Verdacht fünfzig Euro drauf. Und rechnen Sie das Pfand für den Becher mit, das oft zwei bis drei Euro beträgt und das Sie am Ende des Abends garantiert vergessen zurückzugeben, wenn Sie den Becher zwischendurch irgendwo abstellen.
Der Moment, für den man das alles macht
Es ist halb elf, die Sonne ist längst weg, der Himmel hat noch einen Rest Blau. Auf der Wiese riecht es nach warmem Gras und ein bisschen nach Bier.
Und dann setzt ein Stück ein, das alle kennen, und zehntausend Leute singen mit, mehr schlecht als recht, und Sie stehen mittendrin und haben plötzlich einen Kloß im Hals, ohne dass es einen vernünftigen Grund dafür gäbe.
Deswegen. Nicht wegen der ersten Reihe.



