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Brauchtum

Krampus, Ruten und laute Kinder: Wie viel Angst darf im Brauchtum sein?

4. Dezember 2025

Wenn Anfang Dezember in einem österreichischen Ortszentrum plötzlich alle Leute in dieselbe Richtung schauen, dann hört man es meistens vorher. Erst ein tiefes Bimmeln, das langsam näher kommt. Dann Rauch. Dann rennen die ersten Kinder zurück zu den Eltern.

Und irgendwo dazwischen steht ein Vater, der seinem Vierjährigen sagt, er soll sich nicht so anstellen.

Woher die Figur kommt

Der Krampus ist der Begleiter des Nikolaus, und die Paarung ist alt. Der heilige Nikolaus bringt am 5. und 6. Dezember die Gaben, der Krampus steht für alles andere: das Wilde, das Strafende, das, was man nicht kontrollieren kann. Die Masken werden traditionell aus Zirben- oder Lindenholz geschnitzt, das Fell stammt von Ziege oder Schaf, und ein komplettes Gewand kann gut zwanzig Kilo wiegen.

Besonders dicht ist die Tradition in Salzburg, Tirol, der Steiermark und Kärnten. In Ostösterreich war der Brauch lange schwächer ausgeprägt und ist erst in den letzten Jahrzehnten kräftig gewachsen, teilweise ziemlich importiert, was manche Volkskundlerinnen mit gemischten Gefühlen sehen.

Der Unterschied zwischen Einkehr und Lauf

Das wird oft in einen Topf geworfen, ist aber zweierlei.

Bei der Nikolo-Einkehr kommt der heilige Nikolaus mit ein oder zwei Krampussen ins Haus. Es wird ein Sprüchlein aufgesagt, das goldene Buch aufgeschlagen, es gibt Nüsse, Mandarinen und ein Sackerl. Der Krampus rasselt kurz mit der Kette und geht wieder. Das ist überschaubar.

Der Krampuslauf ist etwas anderes. Da ziehen ganze Passen durch die Straßen, oft dreißig oder fünfzig Gestalten, mit Fackeln, Nebelmaschine und Musik. Das ist ein Spektakel, halb Brauchtum, halb Show, und es ist laut und körperlich.

Die Sache mit der Rute

Hier wird es unangenehm, und ich finde, man muss es aussprechen. Bei manchen Läufen wird zugeschlagen, und zwar nicht symbolisch. Es gibt jedes Jahr Berichte über Prellungen, blaue Flecken an den Oberschenkeln, gelegentlich Schlimmeres, und es gibt Gerichtsurteile dazu: Auch im Brauchtum gibt es keinen Freibrief für Körperverletzung.

Die meisten organisierten Passen nehmen das inzwischen ernst. Sie geben Verhaltensregeln aus, es gibt Ordner, viele Vereine schließen Zuschauerbereiche ab. Trotzdem hängt viel davon ab, wer unter der Maske steckt und wie viel er vorher getrunken hat.

Meine unbeliebte Meinung: Ein Lauf, bei dem das Publikum absichtlich getroffen wird, ist kein Brauchtum, sondern eine schlecht organisierte Veranstaltung.

Mit Kindern hingehen, oder lieber nicht

Es gibt keine allgemeingültige Altersgrenze, aber ein paar Dinge, die sich bewährt haben:

  • Zeigen Sie dem Kind vorher die Maske, im Idealfall in Ruhe, bei Tageslicht. Wenn ein Verein einen Tag der offenen Tür macht, gehen Sie hin. Es macht einen riesigen Unterschied, wenn ein Kind einmal gesehen hat, dass ein Mensch das Ding aufsetzt.
  • Stehen Sie hinten. Nicht in der ersten Reihe.
  • Zwang bringt nichts. Wenn ein Kind Angst hat, gehen Sie heim, auch wenn Sie eine Stunde gefahren sind. Es gibt keinen erzieherischen Gewinn darin, ein weinendes Kind zwanzig Minuten länger stehen zu lassen, und die alte Drohung, der Krampus holt dich, funktioniert vielleicht kurzfristig und hinterlässt langfristig genau gar nichts Gutes.
  • Ohrenschützer. Klingt übertrieben, ist es nicht. Die Glocken sind wirklich laut.

Warum es trotzdem wunderbar ist

Wenn all das passt, ist so ein Abend etwas, das man nicht vergisst. Kalte Luft, Fackeln, der Geruch von brennendem Holz und irgendwo ein Punschstand mit Bratwürsteln. Die Erwachsenen halten sich an einem Becher fest und reden über die Nachbarn.

Und dann kommt diese Reihe von Gestalten die Gasse herunter, in einem Rhythmus, der von der Geschwindigkeit des Gehens vorgegeben ist, und man versteht auf einmal, warum die Menschen das seit Jahrhunderten machen. Es ist der dunkelste Teil des Jahres. Irgendwie muss man ihm ja begegnen.

Der Unterschied zwischen Schrecken und Angst

Kinder mögen Schrecken. Ein kurzes Erschrecken mit einem sicheren Ausgang, danach Gelächter, das ist der Grund, warum Verstecken spielen funktioniert.

Angst ist etwas anderes. Angst entsteht, wenn kein Ausweg da ist, wenn man festgehalten wird, wenn die Erwachsenen lachen, während man selbst weint.

Das ist die Linie, an der sich entscheidet, ob so ein Abend eine gute Erinnerung wird. Und sie verläuft bei jedem Kind woanders, weshalb es keine Altersempfehlung geben kann, sondern nur Eltern, die hinschauen.

Danach

Zu Hause ist das Kind aufgekratzt und schläft schlecht, das gehört dazu. Am nächsten Morgen erzählt es in der Schule mit großen Augen, wie nah der eine war.

Und in zwanzig Jahren steht es selbst am Straßenrand, mit einem Becher Punsch in der Hand, und erklärt jemandem, dass das früher noch viel wilder war.

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