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Brauchtum

Kräuterbuschen und Almabtrieb: Der August ist voller Bräuche, die kaum jemand kennt

15. August 2026

Der 15. August ist in Österreich ein Feiertag, und die meisten Leute verbinden damit vor allem, dass die Geschäfte zu haben. Mariä Himmelfahrt, hoher Frauentag, ein Termin mitten im Sommerloch.

In vielen Orten passiert an diesem Tag aber etwas, das älter ist als der Feiertag selbst.

Der Kräuterbuschen

Zur Kräuterweihe bringen die Leute gebundene Sträuße in die Kirche. Was hinein gehört, unterscheidet sich von Tal zu Tal, und die Zahl der Kräuter ist symbolisch aufgeladen: sieben, neun, zwölf, in manchen Gegenden vierundsiebzig, was ein ambitioniertes Unterfangen ist.

Typisch sind Schafgarbe, Johanniskraut, Beifuß, Kamille, Wermut, Rainfarn, Königskerze und in der Mitte die Große Wollblume, die Ähre oder eine Sonnenblume. Manche binden Getreidehalme dazu.

Nach der Weihe wird der Buschen getrocknet und aufgehängt, im Herrgottswinkel, im Stall, auf dem Dachboden. Bei Gewitter wurde früher ein Zweig ins Feuer geworfen. Und was von den Kräutern übrig blieb, kam im Winter ins Futter der Tiere, was aus heutiger Sicht ziemlich vernünftig klingt.

Warum es gerade jetzt ist

Mitte August steht in unseren Breiten das meiste an Heilpflanzen in voller Blüte oder ist gerade am Übergang. Danach beginnt der Rückzug. Der Zeitpunkt der Kräuterweihe ist also nicht willkürlich religiös gesetzt, sondern folgt schlicht der Natur.

Diese Wochen zwischen Mariä Himmelfahrt am 15. August und Mariä Namen im September heißen in manchen Gegenden Frauendreißiger. In dieser Zeit sollen gesammelte Kräuter besonders kräftig sein.

Ob das pharmakologisch haltbar ist, weiß ich nicht. Dass die Pflanzen zu diesem Zeitpunkt tatsächlich am ölreichsten sind, ist hingegen gut belegt.

Selber sammeln, wenn Sie mögen

  • Sammeln Sie am späten Vormittag, wenn der Tau weg und die Sonne noch nicht am höchsten ist.
  • Nicht am Straßenrand, nicht am Feldrand neben einem gespritzten Acker, nicht in Naturschutzgebieten.
  • Nehmen Sie nur, was Sie sicher erkennen. Es gibt Verwechslungen, die tödlich enden, und der Doldenblütler, den Sie für wilde Möhre halten, kann Schierling sein.
  • Trocknen Sie kopfüber, im Schatten, luftig. In der Sonne verlieren die Blüten Farbe und Aroma.

Was sonst noch beginnt

Ende August läuft in den Bergregionen die Almsaison aus. Der Almabtrieb findet je nach Wetter und Höhenlage zwischen Anfang September und Mitte Oktober statt, und die Vorbereitungen laufen früher.

Aufgekranzt wird nur dann, wenn auf der Alm im Sommer kein Unglück passiert ist, weder mit Mensch noch mit Tier. Das ist der Punkt, den Touristen oft nicht wissen: Ein Almabtrieb ohne Schmuck ist kein schlecht organisierter Almabtrieb, sondern ein trauriger. Die Kränze aus Zweigen, Blumen und Spiegeln zu binden dauert Stunden und ist Handarbeit, die eine ältere Nachbarin macht, weil sie es kann.

Gleichzeitig beginnt die Vorbereitung auf das Erntedankfest, das in den meisten Pfarren im September oder Oktober gefeiert wird. Die Erntekrone wird gebunden, oft wochenlang, aus Getreide aus verschiedenen Feldern.

Der ehrliche Blick darauf

Ein Teil dieser Bräuche ist heute Tourismusprogramm, und es hat keinen Sinn, das zu leugnen. Es gibt Almabtriebe mit Festzelt, Eintritt und Parkplatzeinweisern, und in manchen Orten wird der Termin auf ein Wochenende gelegt, damit mehr Leute kommen.

Aber daneben existiert die andere Version. Ein Bauer, der mit sechzehn Rindern in aller Früh talwärts geht, ohne Publikum, weil das Wetter umschlägt und die Tiere runter müssen. Kein Kranz, keine Musik, ein Nachbar mit dem Traktor als Absicherung.

Der 15. August im Alltag

Praktisch heißt der Feiertag vor allem: Die Geschäfte haben zu, die Ämter auch, und wer am Vortag nicht eingekauft hat, steht am Bahnhof vor der einzigen offenen Filiale.

Die Bäder sind voll, die Ausflugsstraßen ebenfalls, und wer in die Berge fährt, sollte früh weg. Der Zug ist an diesem Tag oft die klügere Wahl, weil die Parkplätze an den beliebten Seen um zehn schon zu sind.

Was man mitnehmen kann

Sie müssen nicht in die Kirche gehen, um von der Kräuterweihe etwas zu haben. Binden Sie einen Strauß aus dem, was in Ihrer Umgebung wächst, stellen Sie ihn auf den Tisch und lassen Sie ihn trocknen.

Es klingt lächerlich einfach. Aber es zwingt Sie dazu, eine Stunde lang draußen zu sein und tatsächlich auf den Boden zu schauen, statt daran vorbeizugehen. Und im November, wenn der Buschen staubig über der Tür hängt, erinnern Sie sich an einen warmen Vormittag Mitte August.

Das ist im Grunde alles, was ein Brauch leisten muss.

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