Dienstag, 8. September 2026 · Kulturschenke info@kulturschenke.at
Konzerte

Der erste Konzertabend im Herbst: 6 Dinge, die niemand vorher sagt

17. Oktober 2025

Draußen ist es um sechs schon dunkel, drinnen riecht es nach warmem Staub und Parfum, und irgendwo hinter der Bühne stimmt jemand eine Oboe. Wenn es einen Moment gibt, an dem der Herbst kulturell offiziell beginnt, dann diesen.

Und trotzdem sitzen jedes Jahr Leute im Saal, die sich unwohl fühlen, weil ihnen keiner gesagt hat, wie das alles funktioniert.

1. Der teuerste Platz ist nicht der beste

Das ist die Erkenntnis, die am meisten Geld spart. In vielen Sälen sitzt man in der ersten Parkettreihe schlechter als weiter hinten, weil man das Orchester unausgewogen hört: viel Kontrabass, wenig Streicherglanz, und optisch schaut man von unten in die Nasenlöcher der Geigerinnen.

Als Faustregel gilt: Mitte des Saals, leicht erhöht, ist akustisch fast immer die beste Zone. Und die billigen Plätze weit oben sind für die Ohren oft überraschend gut, auch wenn man den Dirigenten nur als Silhouette sieht. Im Wiener Musikverein sind die Stehplätze legendär und kosten einen Bruchteil, im Konzerthaus gibt es ähnliche Kategorien. Wer flexibel ist, kommt mit zehn bis fünfzehn Euro erstaunlich weit.

2. Man muss sich nicht verkleiden

Die Angst vor dem falschen Gewand hält mehr Leute von Konzerten ab als der Eintrittspreis. Die Wahrheit: Im Publikum sitzen Menschen im Anzug neben Menschen im Pullover, und niemanden interessiert es. Bei Premieren und Bällen ist das anders, aber ein normaler Abonnementabend am Dienstag verlangt nichts weiter als saubere Kleidung, in der Sie zwei Stunden still sitzen können.

Was hingegen wirklich stört: raschelnde Jacken. Legen Sie das Zeug in die Garderobe, sie kostet in den meisten Häusern einen Euro oder ist inkludiert.

3. Der Husten kommt immer im leisen Teil

Es gibt Untersuchungen dazu, und sie sind kurios: In Konzerten wird ungefähr doppelt so viel gehustet wie in vergleichbaren Alltagssituationen, und die Häufung liegt auffällig oft in langsamen, leisen Sätzen. Nicht weil dort mehr Reizhusten entsteht, sondern weil Anspannung und Langeweile den Reflex verstärken.

Nehmen Sie ein Zuckerl mit und packen Sie es vor Beginn aus. Das Knistern eines Bonbonpapiers im Adagio ist die eigentliche Sünde, nicht der Huster selbst.

4. Wann geklatscht wird, ist keine Prüfung

Zwischen den Sätzen einer Symphonie applaudiert man üblicherweise nicht. Das ist eine Konvention aus dem 19. Jahrhundert, keine Naturgesetzlichkeit, und im 18. Jahrhundert wurde munter mitten hinein geklatscht. Trotzdem: Wenn Sie unsicher sind, warten Sie eine Sekunde und schauen Sie, was der Rest macht. Fertig.

Peinlich ist das ohnehin nur in der eigenen Vorstellung. Ich habe einmal als Einzige nach dem ersten Satz geklatscht, hab mich in Grund und Boden geschämt, und der Herr neben mir hat gesagt: „Passt schon, war ja auch gut."

5. Die kleinen Häuser sind oft die besseren Abende

Die großen Namen füllen die großen Säle, aber die Konzerte, über die man ein Jahr später noch redet, finden erstaunlich oft woanders statt. In Stiftskirchen, in Landesmusikschulen, im Gemeindesaal, wo ein junges Quartett spielt, das in fünf Jahren teuer sein wird.

  • Kirchenkonzerte im Herbst: akustisch speziell, oft mit langem Nachhall, der barocke Musik trägt und romantische verwischt. Ziehen Sie sich warm an, es sind selten mehr als sechzehn Grad.
  • Studierendenkonzerte der Musikuniversitäten. Meist gratis.
  • Die Klassik-Reihen in den Landeshauptstädten, die außerhalb Wiens deutlich billiger sind und wo Sie mit etwas Glück nach dem Konzert mit den Musikern an derselben Bar stehen.

6. Der Weg nach Hause gehört dazu

Ein guter Konzertabend hört nicht mit dem letzten Ton auf. Er hört auf, wenn Sie zwanzig Minuten später in der Bim sitzen, die Scheibe beschlagen ist, und Ihnen ein Motiv aus dem zweiten Satz nicht aus dem Kopf geht.

Deshalb bin ich auch dagegen, sofort das Handy herauszuholen. Diese fünfzehn Minuten Nachhall sind das, was vom Abend übrig bleibt, und sie halten den sozialen Medien nicht stand.

Das Programmheft ist kein Pflichtstoff

Es kostet in vielen Häusern zwischen drei und sieben Euro, und es enthält Werkeinführungen, Künstlerbiografien und Werbung. Kaufen muss man es nicht, im Foyer hängen die Besetzungslisten meist gratis aus.

Was sich lohnt, ist der eine Absatz zur Entstehung des Stücks. Zwei Minuten Lesen vor Beginn, und Sie hören eine Symphonie anders, weil Sie wissen, dass der Komponist sie in einer schwierigen Phase geschrieben hat oder dass sie beim ersten Mal durchgefallen ist.

Den Rest können Sie überblättern. Niemand prüft Sie in der Pause ab.

Einfach hingehen

Die Hemmschwelle vor dem klassischen Konzert ist fast durchwegs eine erfundene. Es gibt keinen Test am Eingang, niemand fragt Sie, ob Sie den Unterschied zwischen Sonatensatz und Rondo kennen, und wenn Ihnen ein Stück zu lang wird, dann ist es Ihnen eben zu lang.

Kaufen Sie sich für zwölf Euro einen Platz weit oben, gehen Sie an einem grauen Oktoberabend hin und schauen Sie, was passiert. Im schlimmsten Fall haben Sie zwei Stunden im Warmen gesessen.

Schlagwörter: , , ,

Das könnte Sie auch interessieren